Ein Implantat braucht Knochen, der es allseitig umschließt. Fehlt Höhe oder Breite, lässt sich in vielen Fällen aufbauen — das ist Routine geworden, aber es verlängert die Behandlung und will geplant sein.
Warum Knochen verloren geht
Knochen erhält sich durch Belastung. Fällt ein Zahn aus, fehlt der Reiz, und der Kieferkamm bildet sich zurück — in den ersten Monaten nach dem Verlust am schnellsten. Dazu kommen
- Parodontitis, die den Knochen schon vor dem Zahnverlust abgebaut hat,
- Entzündungen an der Wurzelspitze, die eine Höhle hinterlassen,
- lange getragene Prothesen, die auf dem Kamm drücken,
- und im Oberkiefer die Kieferhöhle, deren Boden mit der Zeit nach unten wandert.
Daraus folgt ein praktischer Rat: Je kürzer die Lücke besteht, desto weniger muss aufgebaut werden. Wer über eine Implantation nachdenkt, sollte nicht Jahre warten.
Die Verfahren
Gesteuerte Knochenregeneration (GBR). Das häufigste Verfahren. Körpereigene Knochenspäne und/oder ein Knochenersatzmaterial werden an die Stelle gebracht und mit einer Membran abgedeckt. Die Membran hält das schneller wachsende Weichgewebe fern, damit der langsamere Knochen Zeit hat. Oft im selben Eingriff wie die Implantation möglich.
Blocktransplantat. Bei größeren Defekten wird ein Knochenblock entnommen — meist aus dem Bereich des Kieferwinkels — und angeschraubt. Das ist der aufwendigere Weg mit einer zweiten Wunde; er kommt nur dort infrage, wo GBR nicht reicht.
Sinuslift (Oberkiefer-Seitenzahnbereich). Der Boden der Kieferhöhle wird angehoben und der gewonnene Raum mit Aufbaumaterial gefüllt. Zwei Wege:
- intern, durch das Implantatbett hindurch, wenn nur wenige Millimeter fehlen — meist zusammen mit der Implantation;
- extern, über ein kleines Fenster in der seitlichen Knochenwand, wenn mehr Höhe gebraucht wird. Dann liegen zwischen Aufbau und Implantation in der Regel einige Monate.
Socket Preservation. Kein Aufbau im eigentlichen Sinn, sondern Vorbeugung: Direkt bei der Zahnentfernung wird das leere Fach gefüllt und abgedeckt, damit der Kamm möglichst wenig zusammenfällt. Der günstigste Zeitpunkt überhaupt — und der, den man am leichtesten verpasst.
Welches Material
Verwendet werden körpereigener Knochen, tierisches oder synthetisches Knochenersatzmaterial — je nach Defekt und in vielen Fällen als Mischung. Körpereigener Knochen heilt am zuverlässigsten, steht aber nur begrenzt zur Verfügung.
Wenn Sie ein Ersatzmaterial tierischen Ursprungs für sich ausschließen — aus religiösen oder persönlichen Gründen — sagen Sie es bitte im Vorgespräch. Es gibt synthetische Alternativen, und die Entscheidung gehört Ihnen.
Zur Unterstützung der Wundheilung setzen wir in geeigneten Fällen PRF ein, körpereigene Wachstumsfaktoren aus Ihrem Blut. Wie das funktioniert, steht auf bio-zahnmedizin.com.
Wie lange dauert das?
Kleinere Aufbauten heilen gemeinsam mit dem Implantat ein und kosten keine zusätzliche Zeit. Größere Aufbauten und der externe Sinuslift brauchen eigene Heilungszeit, meist vier bis neun Monate, bevor implantiert wird.
Der genaue Plan hängt vom Befund ab. Was bei Ihnen nötig ist, zeigt die dreidimensionale Röntgenaufnahme — und die machen wir, bevor irgendetwas entschieden wird.
Wo die Grenzen liegen
Aufbauen lässt sich viel, aber nicht alles. Bei sehr ausgedehnten Defekten, bei starkem Rauchen oder bei bestimmten Medikamenten, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen, kann eine andere Versorgung die vernünftigere Wahl sein. Wo wir das so sehen, sagen wir es — und besprechen die Alternative.
Video
Kurz erklärt – aus unserer Praxis
Die Videos geben allgemeine Informationen und ersetzen keine individuelle Beratung; Behandlungsverlauf und -ergebnis hängen von den persönlichen Voraussetzungen ab. Alle Videos sind untertitelt. Mehr in der Mediathek und auf Instagram.
